Historisch bei Herren, Wundertüte bei Damen

Von Jörg Allmeroth
Montag, 12.06.2017 | 16:40 Uhr
© getty

Während die French Open in der Herrenkonkurrenz fast schon wie erwartet verliefen, war die Damenkonkurrenz eine mit ungewissem Ausgang.

Die French Open 2017 sind Geschichte. Und was bleibt nun von ihnen übrig, als Erkenntnis, als Hinweis auf Kommendes - wenn überhaupt? Eigentlich ist ja alles so gekommen, wie es erwartet worden war: Es gab einen komplett logischen Sieger bei den Herren, Rafael Nadal, der überwältigende Wettfavorit gewann auch mit überwältigender Kraft. Seine Dominanz war so ausgeprägt wie in besten Zeiten, im Grunde aber noch ein wenig überraschender, weil Nadal eben nicht mehr Mitte Zwanzig ist, sondern Anfang Dreißig.

Thiem ein Gewinner trotz Statistenrolle

Und doch: Kein Satzverlust, keiner aus dem Heer der Mitbewerber, der ihm Angst machen konnte. Er schwebte allein über allem und allen in Paris. Was auch dazu führte, dass vom Herrenwettbewerb wenig Strahlendes blieb außer Nadals historischem La-Decima-Rendezvous. Das beste, spannungsgeladenste Spiel war wohl das Halbfinale zwischen Murray und Wawrinka, es hatte auch den Effekt, dass der Sieger ein müder Finalist war, der Schweizer Wawrinka. Auch einer konnte sich noch als Sieger fühlen, wenngleich er nicht gewann: Der Österreicher Dominic Thiem, der bewies, dass er ganz besonders auf der großen Roland-Garros-Bühne zu den Großen zählt, schon zum zweiten Mal stand er nun im Halbfinale. Aber auch er war nur Statist der Nadal-Show, in jenem Moment, als sich ihre Wege in der Vorschlussrunde kreuzten. Nadal wird auch bei den kommenden Turnieren und Saisonabschnitten um Titel mitspielen, das ist sicher.

Bei den Damen kam es auch so, wie die Vorhersagen lauteten: Ein Wettbewerb wie eine Wundertüte, ein Turnier mit offenem, ungewissem Ausgang. Und wie bestellt stand sie dann auch plötzlich im Rampenlicht, die während der Turniertage 20 Jahre alt gewordene Lettin Jelena Ostapenko, die Nummer 47 der Weltrangliste. Sie war die bunte, quirlige, erfrischende Newcomerin, die viele Grautöne im Frauentennis vergessen ließ, vieles an Mittelmaß und blasser Performance. Das wirklich Erstaunlichste an ihrem Siegeslauf waren die wiederholten Aufholjagden, die sie in Szene setzte, auch noch einmal im Finale dann gegen Simona Halep. Ob sie nun auch eine dauerhafte Bewerberin um bedeutende Titel oder Spitzenplätze in der Weltrangliste werden kann, steht auf einem anderen Blatt. Auf jeden Fall hat Ostapenko die Anziehungskraft, das Publikum mitzureißen und für sich einzunehmen.

Wimbledon steht schon vor der Tür, drei Wochen sind es noch bis zum Saison-Höhepunkt. Dann wäre es auch Zeit, dass die deutschen Profis wieder in Schwung kämen, Angelique Kerber und Alexander Zverev in erster Linie.

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