Überflüssig wie ein Kropf

Von Jörg Allmeroth
Montag, 11.09.2017 | 18:00 Uhr
© getty

Die mögliche Neubelebung des World Team Cups, an der auch Andy Murray partizipieren soll, bezeichnet Jörg Allmeroth in seinem tennisnet-Blog als überflüssiges Extra-Event ohne sportlichen Mehrwert.

Gelegentlich wundert man sich schon über die Realitätsverleugnung und Dreistigkeit, mit der manche Akteure im Tennisbetrieb unterwegs sind. Ausgerechnet während der US Open, die von einer noch die da gewesenen Absageserie erschüttert werden, verdichten sich die Absichten einer Neuauflage eines enorm aufgeblähten World Team Cup. So gern man die Mannschafts-Weltmeisterschaft über viele Jahre in Düsseldorf gesehen hat - nach dem Ende mit eher traurigen Besetzungen wurde er dann auch nicht mehr vermisst.

Nun soll die Veranstaltung angeblich gleich zum Jahresauftakt irgendwie in den Kalender hineingezwängt werden, Interessenten gibt es auf mehreren Kontinenten. Aber wenn überhaupt, würde das Ganze nur in Australien Sinn machen. Dumm nur, dass in der Vorbereitungsphase auf die Australian Open schon genügend Turniere platziert sind.

Murrays Interessen

Man darf es mindestens seltsam finden, dass Andy Murray mit seinem Privatunternehmen an diesem Deal beteiligt sein soll. Jener Murray, der gerade unter den Folgen eines Tennis-Overkills leidet und schon monatelang in dieser Saison ausgebrannt und erschlafft wirkte. Und der sich dann wegen einer Hüftverletzung nur noch müde über die Plätze schleppte, vielleicht sogar auch demnächst seine Saison 2017 beendet. Und nun: Der nächste Extra-Event, möglicherweise mit reinem Schaucharakter. Oder auch mit ein paar Punkten ausgestattet. Überflüssig in jedem Fall.

Es fragt sich dabei auch, wie der Weltverband seine Rolle definiert. Ist er dagegen oder dafür? Beim Laver Cup, der sich mehr oder minder unverhohlen als Konkurrenz zum Davis Cup in diesem September positioniert, ist Tennis Australia mit im Boot - und damit auch die ITF. Auch bei der Team WM mischt der australische Verband, eine der ITF-Säulen, angeblich wieder mit, allen voran der kommerzversessene Melbourne-Turnierdirektor Craig Tiley. Verstehe das, wer will.