NFL: Die New Orleans Saints nach dem verkorksten Saisonstart

Der Umbruch ist unausweichlich

Von Pascal De Marco
Mittwoch, 20.09.2017 | 15:29 Uhr

Die New Orleans Saints (0-2) sind ein weiteres Mal enttäuschend in die Saison gestartet. Die Defense ist dabei wie gewohnt die große Schwachstelle. Und das, obwohl man eigentlich viele Änderungen vorgenommen hat. Die negative Gemütslage schlägt bereits auf Spieler wie Neuzugang Adrian Peterson um. Ein großer Umbruch scheint unausweichlich. Dabei steht vor allem das Duo Drew Brees und Sean Payton im Fokus.

In der Woche des Saisonstarts hatte Saints-Head-Coach Sean Payton vier Punkte deklariert, die das Team befolgen sollte, um in dieser Saison eine erfolgreiche Rolle zu spielen. Diese Punkte waren das Eliminieren von Big Plays, Red-Zone-Touchdowns zu erzielen, Turnover zu vermeiden und schnell erfolgreich in das Spiel zu starten.

In der zweiten Woche in Folge ist Paytons Team kein Turnover unterlaufen. Die weiteren Punkte der Liste sind allerdings als eindeutig gescheitert zu bezeichnen.

Gegen New England gelangten die Saints bei sechs der ersten sieben Drives in die gegnerische Hälfte, nur um dabei viermal ein Field Goal zu versuchen oder den Ball nach einem gescheiterten Fourth Down herzugeben. Im zweiten Patriots-Drive gelang Rob Gronkowski ein 53-Yard-Touchdown und nach dem ersten Viertel hatte Tom Brady bereits für 177 Passing Yards und drei Touchdowns geworfen.

Der erfolgreiche Saisonstart ist nach der 19:29-Niederlage in Minnesota und der 20:36-Heimpleite gegen die Patriots Geschichte. Payton und die Saints starteten zum vierten Mal in Folge 0-2 und stehen seitdem bei der Bilanz von nunmehr 1-11 im ersten Monat der Saison. Selten allerdings sah das Team derart chancenlos aus wie aktuell.

New Orleans Saints: Statistiken nach Week 2 verheerend

Hauptgrund zur Sorge ist wieder einmal die Defensive. In der Offseason wurden sieben neue Defensiv-Starter und drei neue Defensive-Coaches eingestellt. Die Ergebnisse jedoch bleiben die gleichen. Die gleichen verheerenden.

Nach zwei Spielen wurden in 19 Drives sieben Touchdowns und sechs Field Goals zugelassen. Nur fünfmal musste das gegnerische Team punten und das bei mickrigen zwei Three-and-Outs.

Sam Bradford und Tom Brady haben gemeinsam 80 Prozent ihrer Pässe an den Mann gebracht und dabei für 793 Yards, sechs Touchdowns sowie keine Interception geworfen. Das gemeinsame Passer Rating liegt bei 141,4.

New Orleans Saints mit riesigen defensiven Mängeln

In erster Linie fehlt es auf der defensiven Seite des Balles an Playmakern. Bis auf Cam Jordan baute der Pass-Rush in Week 2 nahezu keinen Druck auf Tom Brady auf. Hau'oli Kikaha kam in der ersten Spielhälfte zu einem Sack, ansonsten hatte Brady alle Zeit der Welt, seine offenen Anspielstationen im Feld zu finden. Dabei kreierten die Patriots immer wieder einfache Matchups und die Secondary hatte Probleme, dabei auch die grundlegendsten Coverages auszuführen.

Einer der besten Spieler und Leader, Kenny Vaccaro, wurde gegen die Patriots nach unkonstanter Leistung auf die Bank gesetzt. Den Veteran auf Safety begleiten schon seit der Offseason Trade-Gerüchte. Nach Coverage-Problemen sowie mehreren Missed Tackles dürfte sein Trade-Value weiter gesunken sein.

Die Defense agiert desweiteren undiszipliniert. Meistens ein Zeichen für schlechtes Coaching. Symptomatisch: In Minnesota standen beim ersten Play der Saison (!) nur zehn Mann auf dem Feld.

Adrian-Peterson-Experiment droht zu scheitern

Doch als undiszipliniert könnte man in Louisiana auch das bezeichnen, was abseits des Feldes passiert. Geschäftsführer Mickey Loomis ist seit mehreren Jahren Spitzenreiter in der Kategorie Dead Money. Ungünstige Verträge zwingen ihn auf konstanter Basis dazu, Deals neu zu strukturieren und zusätzliches Cap Space aufzuwenden.

Dies hindert die Franchise daran, sinnvolle Langzeitinvestitionen zu tätigen und den Spielern großes Geld zu bezahlen, die dieses tatsächlich verdienen. Stattdessen tendiert Loomis dazu, alternden Spielern überteuerte Verträge zu geben. Ein typisches Beispiel dafür ist Adrian Peterson.

Die Saints waren auf der Running-Back-Position eigentlich bereits sehr gut besetzt. Doch das hinderte Loomis nicht daran, dem 32-Jährigen einen Sieben-Millionen-Dollar-Vertrag zu geben, obwohl er gerade von einer wiederholten schweren Knieverletzung zurückkam. Peterson machte seinem Unmut ob der geringen Spielzeit bereits in Minnesota an der Seitenlinie Luft - auch wenn das öffentlich dementiert wurde - und klagte daraufhin öffentlich, "nicht für neun Snaps hergekommen" zu sein.

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Der Fall in die Mittelmäßigkeit

Über die letzten Jahre haben die Offenses von Payton die Saints immer wieder am Leben gehalten. Drew Brees hat die Liga in den letzten drei Saisons in Passing Yards angeführt. Dabei rangierte die Saints-Offense in den Top 2 in gesamten Yards und als Spitzenreiter in der Third-Down-Conversion-Rate.

Doch der offensive Output war im Hinblick aufs Große und Ganze zuletzt schlichtweg nicht genug. Der Super-Bowl-Erfolg ist bereits acht Jahre her, das letztmalige Erreichen der Playoffs vier.

Die Saints beendeten die letzten drei Saisons mit der Bilanz von 7-9. Angesichts der anstehenden Aufgaben (@Panthers 2-0, @Dolphins 1-0, vs Lions 2-0, @Packers 1-1) könnte man sich mit dieser Bilanz heuer wohl glücklich schätzen. Ein Start mit sechs Saisonniederlagen in Folge scheint alles andere als unrealistisch.

Die Payton-Brees-Situation

Mit einem Blick auf die jüngere Geschichte in der Liga stellt man fest, dass in den letzten 20 Jahren nur ein einziger NFL-Coach bei negativen Bilanzen in vier aufeinanderfolgenden Saisons seinen Job behalten durfte (Jeff Fisher, St. Louis Rams, 2012-15). Payton unterzeichnete im Frühling 2016 eine Verlängerung über fünf Jahre, die ihm mehr als neun Millionen Dollar pro Jahr einbringt und somit zu einem der bestbezahlten Coaches der Liga macht.

Der Beginn einer neuen Ära scheint allerdings Hand in Hand mit einer Neubesetzung zu gehen.

Dazu kommt nicht ganz unpassend, dass Brees in der nächsten Offseason Free Agent wird und dabei rund 30 Millionen Dollar für ein weiteres Jahr verlangen kann. Die Saints können Brees nicht derart viel Geld zahlen und gleichzeitig ein qualitativ hochwertiges Team um ihn herum aufbauen.

Zwar hat der Veteran vermehrt seinen Wunsch geäußert, seine Karriere im Big Easy zu beenden. Die weitere Zusammenarbeit würde vermutlich aber wieder nicht mehr als ein weiteres Jahr bei 7-9 und einen Platz einbringen, der in der NFL am wenigsten weiterhilft: in der Mittelmäßigkeit.

"Er hat mir zum ersten Mal Leid getan"

Für einen Platz in der Mittelmäßigkeit wird es in dieser Saison wohl nicht reichen. Eine Situation, die vielen Football-Fans beim Zusehen weh tut: "Drew wird der All-Time-Passing-Leader der NFL. Ich muss zugeben, dass er mir zum ersten Mal Leid getan hat", sagte der ehemalige Saint-Linebacker Scott Shanle, der sieben Jahre lang für die Saints spielte und unter anderem den Super Bowl mit ihnen gewann, nach der Niederlage am Sonntag.

"Zum ersten Mal dachte ich mir, 'er verdient etwas Besseres'", so Shanle. "Es ist hart, einen der größten Spieler aller Zeiten dabei zuzusehen, wie er weiterhin Großartiges leistet, es aber am Ende keinen Einfluss auf das Ergebnis hat."

Vermutlich ist dies für die Franchise in der aktuellen Situation allerdings nicht das Schlechteste. Vielleicht überzeugt es das Front Office Entscheidungen zu treffen, die hart aber notwendig sind. Vielleicht überzeugt es das Front Office, den berüchtigten Schritt zurück zu machen, um zwei nach vorne zu gehen.