Deutsche Springreiter gehen bei Skelton-Sieg leer aus

Nick Skelton holt Gold

SID
Freitag, 19.08.2016 | 20:33 Uhr

Die deutschen Springreiter müssen zwölf Jahre nach Bronze für Marco Kutscher in Athen weiter auf eine Medaille im Einzel warten. Gold holte sich zum Abschluss der Reiterspiele in Deodoro Altmeister Nick Skelton mit Big Star, er ist der erste britische Olympiasieger im Einzel.

Der Weltranglistenerste Ahlmann mit Taloubet und Deußer mit First Class verpassten durch Abwürfe im zweiten Umlauf ihre durchaus realistischen Chancen auf Edelmetall. Meredith Michaels-Beerbaum und Fibonacci waren bereits im ersten Durchgang gescheitert. "Mit ein bisschen Glück bleibt die Stange liegen", sagte Ahlmann nach seinem Abwurf am vorletzten Hindernis: "Aber dieses Glück hatten wir heute nicht."

"Es ist wirklich ärgerlich, weil Christian und Daniel heute super geritten sind", sagte Bundestrainer Otto Becker: "Aber so eng ist das halt im Springen, da fällt eine Stange, und du bist weg." Ahlmann war dennoch "sehr, sehr stolz auf mein Pferd, er hat das super gemacht. Natürlich ist da auch viel Enttäuschung bei, weil vieles möglich gewesen wäre."

Stechen der sechs Besten bringt Entscheidung

Gold, das Ulrich Kirchhoff 1996 in Atlanta letztmals für Deutschland gewonnen hatte, ging an den bereits 58-jährigen Skelton, der sich im Stechen gegen fünf Konkurrenten durchsetzte. Silber gewann der Schwede Peder Fredricson mit All In, Bronze Eric Lamaze, der kanadische Olympiasieger von 2008, mit Fine Lady. Die ersten drei blieben fehlerfrei, am Ende entschied die Zeit für Skelton.

In der sechsten und letzten Entscheidung blieb Deutschland damit zum ersten Mal in Deodoro ohne Medaille. Dennoch ist Schwarz-Rot-Gold mit insgesamt sechs Mal Edelmetall die mit Abstand erfolgreichste Nation. Gold und Silber gab es für Michael Jung und das Vielseitigkeitsteam, Gold, Silber und Bronze in der Dressur, dazu Bronze für die Springreiter-Mannschaft.

27 Reiter hatten sich für den zweiten Umlauf qualifiziert, sieben mehr als ursprünglich vorgesehen. "Die Zahl der Null- und Vier-Fehler-Ritte ist ungewöhnlich hoch", sagte Ahlmann in der Pause vor dem finalen Umlauf: "Damit hat eigentlich keiner gerechnet." Er war absolut angetan von der Leistungsbereitschaft seines vierbeinigen Ferrari: "Taloubet ist mit seinen 16 Jahren immer noch eines der schnellsten Pferde überhaupt."

Michaels-Beerbaum mit Fauxpas

Wie Ahlmann erwartete auch der im ersten Umlauf ebenfalls fehlerfreie Daniel Deußer ein Stechen um die Medaillen: "Es gab leider viel zu viele Nuller in der ersten Runde." Allerdings hoffte Ahlmann, dass der Parcoursbauer "deshalb im zweiten Umlauf nicht durchdreht. Aber ein Stechen wird es wohl geben."

Für Meredith Michaels-Beerbaum (Thedinghausen) war das Finale bereits am allerersten Hindernis beendet. Ihr Schimmel Fibonacci stürzte am Oxer regelrecht durch das Hindernis. Den zweiten Sprung absolvierte das Paar noch, dann gab Michaels-Beerbaum auf. "So etwas ist mir noch nie passiert", sagte die 46-Jährige enttäuscht: "Es war eine Kombination aus zu viel wollen und zu wenig konzentrieren." Sie sei beim Anlauf auf das erste Hindernis nicht fokussiert gewesen, "auf einmal habe ich dann gemerkt, dass die Distanz nicht passt, aber da war es schon zu spät".

Einen Sprung machte das Paar noch, ehe Michaels-Beerbaum aufgab. "Ich wollte nur sicherstellen, dass mit Nacho alles okay ist, aber den ganzen Parcours wollte ich ihm nicht mehr zumuten", sagte sie. Pferd und Reiterin seien wohlauf, Fibonacci sei sofort nach dem Schreck wieder bereit gewesen: "Er hat sich einmal geschüttelt und mich böse angeguckt."

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