DHB - Frankreich 28:29

Gold-Traum, Adieu! DHB verliert Thriller

Von Felix Götz
Freitag, 19.08.2016 | 22:25 Uhr

Deutschland ist bei den Olympischen Spielen in Rio im Halbfinale trotz einer tollen Aufholjagd in der zweiten Halbzeit ausgeschieden. Die Mannschaft von Bundestrainer Dagur Sigurdsson unterlag gegen Frankreich durch ein Tor von Daniel Narcisse in der Schlusssekunde mit 28:29 (13:16). Das DHB-Team bekommt es am Sonntag im Kampf um die Bronzemedaille mit Polen oder Dänemark zu tun.

Deutschland hat damit den Einzug in das erste Olympia-Finale seit 2004 in Athen verpasst. Die Franzosen können derweil am Sonntag im Endspiel ihre dritte Goldmedaille bei Spielen in Serie gewinnen.

Bester deutscher Torschütze war Uwe Gensheimer mit elf Toren vor Julius Kühn (8), Tobias Reichmann (4), Paul Drux (2), Kai Häfner, Steffen Weinhold und Martin Strobel (alle 1).

Bei den Franzosen erwies sich Daniel Narcisse mit sieben Toren als bester Werfer. Zudem netzten Valentin Porte (5) und die Karabatic-Brüder Nikola und Luka (beide 4) hochwertig.

Die Reaktionen:

Dagur Sigurdsson (Bundestrainer): "Das war ein ganz bitteres Ende für uns. Wir sind einfach nicht ins Spiel gekommen, Frankreich hat eine phantastische erste Halbzeit gespielt."

Patrick Wiencek: "Das ist ganz bitter. Frankreich hätte keine Chance gehabt, wenn wir immer so gespielt hätten wie in der Schlussphase."

Bob Hanning (DHB-Vizepräsident): "Wenn du gegen die Franzosen gewinnen willst, musst du 100 Prozent an deinem Limit spielen, das haben wir 40 Minuten nicht getan. Die Niederlage ist verdient, wenn man das ganze Spiel anschaut."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Spiel: Alles beim Alten. Sigurdsson schickt zu Beginn Wolff, Gensheimer, Drux, Häfner, Wiede, Reichmann und Pekeler auf die Platte.

9.: Die Anfangsphase gehört klar den Franzosen. Die deutsche Mannschaft findet kein Mittel gegen die gegnerische Abwehr. Drux wird zu einem schwierigen Wurf aus dem Rückraum gezwungen, den Omeyer locker wegnimmt. Auf der Gegenseite steigt Narcisse in altbekannter Manier hoch und hämmert den Ball ins Tor. 6:3 für Frankreich.

17.: Meine Güte läuft das mau. Vorne wird viel liegen gelassen, die Abwehr steht nicht gut und im Tor geht erst recht nichts. Heinevetter steht mittlerweile für Wolff zwischen den Pfosten. Ganz anders die Franzosen: Karabatic bedient Narcisse und der erzielt das 11:7.

25.: Omeyer! Wiede passt herrlich auf Pekeler am Kreis, doch der scheitert völlig freistehend am früheren Kieler. Kurz darauf spielt Häfner einen Pass in die Hände von Abalo. Der sagt Danke und wirft die Kugel ins leere Tor zum 14:10.

30.: Halbzeit in der Future Arena in Rio. Klar ist noch nichts verloren, gut sieht aber wirklich nicht aus. Das Team von Coach Claude Onesta führt mit 16:13.

35.: Es wird nicht besser - im Gegenteil. Da hält Wolff, der wieder für Heine ins Tor gerückt ist, den Siebenmeter gegen Guigou und damit den ersten Ball überhaupt in dieser Partie. Doch die Kugel springt zurück zum Franzosen, der zweite Versuch ist drin. 19:14 für Frankreich.

40.: Jetzt wird es ganz bitter. Der unglücklich agierende Pekeler bekommt ein Anspiel von Drux an den Kreis nicht zu packen. Omeyer schnappt sich die das Spielgerät und wirft es über das gesamte Feld hinein ins leere Tor zum 22:15.

49.: Jetzt ein Tor, dann geht vielleicht nochmal was. Aber Nein! Weinhold bricht aus der halbrechten Position heraus durch und wirft, doch Omeyer hält ganz stark. 25:21 Frankreich.

56.: Ich glaub es einfach nicht!!!! Deutschland ist wieder drin im Spiel, auch weil Heine wieder für Wolff gekommen ist und toll hält.. Kühn knallt Omeyer die Kugel von halblinks in die Kiste. Es steht nur noch 26:27. Drehen die das Ding etwa wirklich noch? Auf geht's, Bad Boys!

60.: Ist das bitter! Deutschland kommt nach einem 15:22-Rückstand in den letzten 20 Minuten noch zum 28:28-Ausgleich, doch in der Schlusssekunde knallt Narcisse das Ding rein. Frankreich gewinnt mit 29:28 und spielt um Gold.

Der Star des Spiels: Daniel Narcisse. Er machte aus dem Rückraum mächtig Dampf und war mit sieben Treffern bei zehn Versuchen Frankreichs bester Torschütze. Narcisse erzielte außerdem in letzter Sekunde aus dem Rückraum das Siegtor und war somit der unumstrittene Matchwinner.

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Der Flop des Spiels: Andreas Wolff. Der Torhüter des THW hat uns in den vergangenen acht Monaten so viel Freude bereitet. Das war aber nicht sein Tag. Er hielt in den ersten zehn Minuten keinen einzigen Ball und musste für Heinevetter Platz machen. Wolff kam zur zweiten Halbzeit zwar noch einmal für einige Minuten wieder, doch er war weiterhin kein wirklicher Rückhalt. Seine Quote: 3 von 19, 16 Prozent.

Das fiel auf:

  • Mit Wiede, Häfner und Drux war der Starting-Rückraum größtenteils abgemeldet. Alle drei zusammen brachten es gerade einmal auf drei Tore.
  • Nikola Karabatic wurde in den ersten Minuten offensiv von Pekeler in Manndeckung genommen. Das funktionierte allerdings nicht sonderlich gut. Der deutsche Abwehr-Riese, der insgesamt unglücklich agierte und keinen seiner vier Würfe versenkte, hatte nach nicht einmal 20 Minuten zwei Zwei-Minuten-Strafen auf dem Konto.
  • Weil Wolff einen schlechten Tag erwischte, erhielt Heinevetter erstmals bei diesen Spielen viel Spielzeit. Der Berliner machte eine sehr starke Partie und wehrte 53 Prozent der Würfe auf seinen Kasten ab (9 von 17).
  • Die deutsche Abwehr war über weite Strecken schwach. Egal ob mit Lemke/Pekeler oder Wiencek/Lemke: Konstant gut wurde nicht verteidigt.
  • Gensheimer hielt Deutschland lange Zeit quasi im Alleingang am Leben. Der zukünftige PSG-Star erzielte sieben der 13 deutschen Tore in den ersten 30 Minuten. Insgesamt versenkte Gensheimer 11 von 13 Versuchen.

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