Nur ein Wort: Herzlichen Dank!

Von Felix Götz
Sonntag, 21.08.2016 | 13:58 Uhr

Nach der Final-Niederlage gegen Brasilien bei den Olympischen Spielen in Rio nimmt Trainer Horst Hrubesch seinen Hut beim DFB. Mit Hotte geht ein Coach, der aus der Zeit gefallen scheint, jedoch gerade im Umgang mit jungen Spielern immer den richtigen Ton getroffen hat.

"Manni Bananenflanke, ich Kopf, Tor." So erklärte Horst Hrubesch einst das Erfolgsrezept von ihm, dem Kopfballungeheuer, und seinem kongenialen Partner Manfred Kaltz, der ihn zu seinen großen Zeiten als Spieler beim Hamburger SV mit hohen Bällen fütterte. Drei deutsche Meisterschaften und der Sieg im Europapokal der Landesmeister sprangen dabei heraus.

Es ist ein einfacher Satz, der alles, was man wissen muss, auf den Punkt bringt. Und er spiegelt sehr gut wider, wie Hrubesch in den vergangenen Jahren als U-Trainer beim DFB agiert hat.

Der 65-Jährige verkomplizierte die Dinge nicht unnötig, war geradlinig, blies sich nicht wie manch einer seiner Kollegen auf, hat seine Arbeit nie als Hexerei verkauft.

Vom anderen Planeten

Das kam bei den unterschiedlichsten Spielertypen verblüffend gut an. Bei jungen Menschen, die sich mit Tattoos vollpflastern, neumodische Musik hören und sich auch deshalb im ersten Moment vom alten Haudegen Hrubesch so sehr unterscheiden, als stammten sie von anderen Planeten.

"Offen und ehrlich mit den Spielern umzugehen - das war der Schlüssel zu den Erfolgen der letzten Jahre. Ihnen die Möglichkeit zu geben, mitzubestimmen", beschrieb Hotte vor ein paar Monaten in einem Interview seine Vorgehensweise.

Zwei EM-Titel, einmal Silber

So führte er 2008 die U19 zum EM-Titel in Tschechien, als im Finale der Gastgeber mit 2:1 nach Verlängerung bezwungen wurde. So führte er die U21 2009 mit der goldenen Generation um Manuel Neuer, Jerome Boateng oder Mesut Özil zum EM-Sieg in Schweden (4:0 im Finale gegen England).

Auf diese Art und Weise führte er nun in Rio auch das DFB-Team zur Silbermedaille und damit dem besten Ergebnis, das je eine deutsche Fußball-Nationalmannschaft bei Spielen erreicht hat. Und das mit einem Team, das aufgrund der mangelnden Unterstützung aus der Bundesliga notdürftig zusammengeschustert worden ist.

"Was wir hier gemacht haben, ist überragend. Wir gehen hier als Gewinner raus, nicht als Verlierer. Ich bin rundum glücklich, es hat Riesenspaß gemacht", sagte der Nordrhein-Westfale aus Hamm nach der Niederlage im Elfmeterschießen in einem ganz starken Finale gegen Brasilien.

"Er hat soziale und fachliche Kompetenz"

Es war Hrubeschs letzte Amtshandlung beim DFB, für den er seit 1999 in verschiedenen Trainerpositionen tätig war. Mal war er Coach einer U-Mannschaft, mal trainierte er das Reserve-Nationalteam, bei der EM 2000 assistierte er dem damaligen Bundestrainer Erich Ribbeck und war damit beim Desaster von Rotterdam mit dem Aus in der Vorrunde hautnah mit dabei.

Es zeichnet Horst Hrubesch aus, nicht immer nur große Siege, sondern auch bittere Pleiten erlebt zu haben. Das hat ihn im Laufe der Jahre zu einem Menschen werden lassen, der irgendwie über den Dingen zu stehen scheint.

"Dieser Mann", sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel in Rio de Janeiro: "Hat der Mannschaft und dem DFB gut getan. Er hat soziale und fachliche Kompetenz."

Zusammenbruch in München

Dabei war Hrubesch nicht immer so unaufgeregt. Als er am Beginn seiner Trainerlaufbahn stand, hatte der frühere Stürmer große Probleme, eine gesunde Einstellung zu seiner Arbeit zu finden.

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"Ich hatte Angst. Nachts habe ich geschwitzt. Dazu dieses Augenflimmern", erklärte der 21-malige Nationalspieler einmal. Weil der Trainerjob ihm keinen Gedanken für andere Dinge ließ, qualmte Hrubesch drei bis vier Schachteln Zigaretten täglich.

Er nahm immer mehr an Gewicht zu, bis er schließlich am Münchner Flughafen zusammenbrach und mit Herzproblemen in ein Krankenhaus eingeliefert wurde. Dort habe er sich geschworen, so der Europameister von 1980: "Schluss mit diesem Leben."

Die Zigaretten waren von einem auf den anderen Tag Geschichte, auf dem Tisch landete nun häufig Obst, Gemüse und Salat. Er ging fischen, züchtete Pferde und zog sich auf seinen Bauernhof in der Lüneburger Heide zurück.

Aus Verbissenheit wird Souveränität

Vom Fußball konnte Hrubesch trotzdem nicht lassen - zum Glück. Der Vize-Weltmeister von 1982 wandelte seine Verbissenheit in Souveränität um, ohne dabei etwas von seinem Fleiß oder seiner klaren Linie einzubüßen.

So wurde er zu einem Trainer, der ein unglaubliches Gespür im Umgang mit jungen Fußballern entwickelt hat. Einer, der Fehler verzeihen konnte, wenn sie der Entwicklung dienten.

Diese großartige Laufbahn ging am Samstag würdig zu Ende. Mit einem großen Spiel in dem südamerikanischen Fußball-Tempel schlechthin, dem Maracana. Mit einer Silbermedaille um den Hals.

Bleibt nur noch, Hrubesch nach 17 Jahren beim DFB genauso zu verabschieden, wie er es selbst zum Ende seiner Zeit beim HSV getan hat. "Ich sage nur ein Wort: Herzlichen Dank!"

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