Frankreich denkt an Olympia-Verzicht

SID
Donnerstag, 21.09.2017 | 21:09 Uhr
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Die Bedrohung wächst, die erste große Sportnation spricht ganz offen vom Startverzicht bei Olympia 2018 in Südkorea: Acht Tage, nachdem Paris den Zuschlag für die Sommerspiele 2024 erhalten hat, machte Frankreichs Sportministerin Laura Flessel am Donnerstag keinen Hehl mehr aus ihren Sicherheitsbedenken.

Im Angesicht des sich immer weiter zuspitzenden Konflikts zwischen dem 80 km vom nächsten Olympiaort entfernten Nordkorea und den USA ist ein Start der Grande Nation in Pyeongchang keine Selbstverständlichkeit mehr.

Bach will Bedenken beseitigen

"Wir werden unser französisches Team niemals in Gefahr bringen", sagte die 45 Jahre alte zweimalige Fecht-Olympiasiegerin Flessel bei RTL Radio: "Wenn sich die Situation verschlimmert und keine definitive Sicherheit gewährleistet ist, wird die französische Olympiamannschaft zu Hause bleiben."

In der Vorwoche hatte IOC-Präsident Thomas Bach bei der Session des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Perus Hauptstadt Lima noch versucht, jegliche Sicherheitsbedenken zu beseitigen und erklärt: "Die Position des IOC ist genauso unverändert wie unser Vertrauen." Er habe den festen Glauben "an eine diplomatische Lösung und an den Frieden", sagte der Tauberbischhofsheimer weiter. In Lima verwies auch der OK-Vorsitzende Lee Hee-beom darauf, es gebe "keinen Plan B".

Da hatte US-Präsident Donald Trump Nordkorea allerdings noch nicht mit "totaler Zerstörung" gedroht, wie er es am vergangenen Dienstag in seiner Rede vor dem UN-Sicherheitsrat tat. Vorausgegangen waren ständige militärische Provokationen beider Länder, die befeuert wurden durch mehrere international verurteilte Raketentests des Regimes von Diktator Kim Jong-un. Am Donnerstag erwogen die USA, ihre Sanktionen gegen den kommunistischen Bruderstaat des demokratischen Südkorea zu verschärfen. Die Chancen auf eine diplomatische Lösung des Konflikts scheinen täglich zu schwinden.

Kasper: Pyeongchang? "Sicherste Ort der Welt"

Doch bereits vor der jüngsten Zuspitzung waren im Ringeorden erste Zweifel laut geworden an der Realisierbarkeit, die Athleten der Welt im kommenden Winter in Südkorea zu begrüßen. So tat IOC-Exekutivmitglied Gian Franco Kasper Anfang September im SID-Interview zwar seine Überzeugung kund, Pyeongchang werde während der Spiele der "sicherste Ort der Welt" sein, doch der Präsident des Ski-Weltverbandes FIS unkte auch: "Was ich ein bisschen befürchte, ist, dass gewisse Nationen die Spiele boykottieren könnten, weil es ihnen zu riskant erscheint, ihre Athleten dorthin zu schicken."

Auch unter deutschen Sportlern wuchs in den letzten Wochen das Unbehagen. "Die Bedrohung ist sehr ernst zu nehmen. Man muss die Entwicklung total im Auge behalten. Auch was die Rolle der USA angeht", hatte Athletensprecher Max Hartung vom DOSB Anfang September dem SID gesagt.

Ban Ki-moon, früherer Generalsekretär der Vereinten Nationen (UN), versprühte nach seiner Wahl zum neuen Chef der IOC-Ethikkommission in der vergangenen Woche in Lima Optimismus. "Ich kann versichern, dass alle Sportler bei den Spielen in Pyeongchang starten können, ohne dass sie sich Sorgen machen müssen", sagte der Südkoreaner.