"Ich will Ramirez vernichten"

Von Jan Höfling
Donnerstag, 07.04.2016 | 12:00 Uhr
© getty

In der Nacht auf Sonntag trifft Arthur Abraham auf Gilberto Ramirez (ab 3 Uhr im LIVETICKER und auf ran FIGHTING). Der WBO-Weltmeister im Supermittelgewicht will in Las Vegas Geschichte schreiben. Vor dem Duell spricht König Arthur über eine mexikanische Mammutaufgabe, seinen Geburtstag in den bulgarischen Bergen, Manny Pacquiao und Olympia. Obendrauf gibt es eine klare Ansage an Felix Sturm.

SPOX: Herr Abraham, Sie haben nicht nur den Sieger des Super Bowl sowie den MVP richtig vorhergesagt, sondern gleichzeitig auch angekündigt, dass Ihr Gegner Gilberto Ramirez das gleiche Schicksal erleiden wird wie Carolinas Quarterback Cam Newton. Wird am Samstag der dritte Teil Ihrer Prophezeiung wahr?

Arthur Abraham: Ich fliege nach Las Vegas, um zu gewinnen. Das ist mein großes Ziel. Ich will der erste deutsche Boxer sein, der dort einen Titelkampf für sich entscheiden kann. Es gibt für mich nur eine Option: Ich werde Ramirez schlagen und mit meinem Gürtel zurück nach Deutschland kommen.

SPOX: Ihr Kontrahent aus Mexiko ist allerdings nicht nur 14 Zentimeter größer als Sie, auch bei der Reichweite hat er mit acht Zentimetern die Nase vorn. Klingt nach einer wahren Mammutaufgabe.

Abraham: Natürlich ist er groß. Aber wie sagt man so schön: Je höher die Bäume sind, je schneller fallen sie. (lacht) Ich mache mir deshalb jedenfalls keine Sorgen. Es liegt an mir, meine Leistung zu bringen. Was im Endeffekt zählt ist der Kopf, die Größe ist dabei gar nicht so wichtig.

SPOX: Wie sieht es mit der Rechtsauslage von Ramirez aus?

Abraham: Für einen guten Boxer darf die Auslage keine Rolle spielen. Natürlich ist es eine Besonderheit und ich boxe ja auch nicht gegen einen Sandsack. Mein Gegner will schließlich Weltmeister werden. Aber ich bin perfekt vorbereitet und will Ramirez vernichten.

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SPOX: Die angesprochene Vorbereitung fiel entsprechend hart aus und war zudem deutlich länger als sonst. Zunächst ging es in die bulgarischen Berge ins Höhentrainingslager.

Abraham: Das Rila-Gebirge ist über 2000 Meter hoch, die Luft sehr dünn. Es ist etwas, das man in jeder Einheit sehr deutlich spürt. Wenn man dann auch noch durch einen Meter tiefen Schnee läuft, ist das nicht gerade ein Spaziergang. Aber es hat sich gelohnt, das Training hat mich richtig stark gemacht. Ich fühle mich wie eine Maschine. (lacht)

SPOX: Auch Ihren 36. Geburtstag haben Sie in Bulgarien gefeiert - standesgemäß mit einem Berglauf. Gab es für Sie zur Feier des Tages eine extra harte Einheit von Coach Wegner?

Abraham: Die üblichen zwölf Kilometer in den Bergen und die sonstigen Einheiten waren schon hart genug. Da musste er nicht noch etwas draufpacken.

SPOX: Gab es wenigstens eine kleine Feier?

Abraham: Als wir auf dem Gipfel angekommen waren, haben wir eine Flasche Champagner geöffnet und kurz angestoßen. Dann ging es wieder runter. Das war mein bester Geburtstag seit langem. (lacht)

SPOX: Von den bulgarischen Bergen ging es im Anschluss nach Kienbaum.

Abraham: Beide Trainingslager waren für mich sehr wichtig. Entscheidend war, dass der volle Fokus auf dem Sport liegen konnte. In Bulgarien gab es nur Berge und in Kienbaum nur Wälder. Die abgeschiedene Lage ist immer ein großer Vorteil.

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SPOX: Wird einem in einer solchen Abgeschiedenheit und über die Dauer von mehreren Wochen nicht langweilig?

Abraham: Hin und wieder sind ein paar Freunde oder Familienmitglieder vorbeigekommen. Auch ein Besuch im Kino oder Museum hilft. Das ist aber eher die Seltenheit und mehr Ablenkung brauche ich auch nicht. Ich bin voll fokussiert auf die Aufgabe, die mich in Las Vegas erwartet.

SPOX: Wie unterschied sich der sportliche Fokus beider Trainingseinheiten?

Abraham: Der Körper wird ganz anders belastet. In den Bergen wird man stark und kräftig wie ein Traktor. Aber als Boxer darf man nicht unbeweglich und träge sein wie einer. Im Ring muss man schnell sein wie ein Sportwagen - und dazu eine gute Taktik haben. Genau das haben wir in Kienbaum trainiert. Wir haben an der Schnelligkeit, Technik und einem Plan für Ramirez gearbeitet.

SPOX: Ein guter Plan scheint nötig. Ihre letzten drei Auftritte außerhalb Deutschlands endeten mit Niederlagen, in Las Vegas konnte zudem bislang kein deutscher Boxer einen WM-Kampf gewinnen.

Abraham: Damals war ich noch unerfahren, jetzt bin ich ein anderer Boxer. Ich befinde mich in meiner besten Zeit. Deshalb werde ich den Ring als Sieger verlassen und Geschichte schreiben.

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