EuroBasket 2017: Slowenien vs. Serbien - Infos, Ergebnis, Analyse

Irres Finale! Slowenien holt Gold

Von Ole Frerks
Sonntag, 17.09.2017 | 22:38 Uhr
© fiba.com

In einem hochklassigen und dramatischen Finale der EuroBasket hat Slowenien mit 93:85 gegen Serbien gewonnen. Dabei verletzten sich im Spielverlauf die beiden wichtigsten slowenischen Spieler.

Luka Doncic landete im dritten Viertel unglücklich und musste runter, wenig später erwischte es auch Goran Dragic, der somit in der Schlussphase fehlte. Dragic war bis dahin der alles überragende Mann gewesen (35 Punkte, 7 Rebounds), die Slowenen schafften es jedoch, ihre Führung über die Zeit zu retten. In der Schlussphase spielte vor allem Klemen Prepelic (am Ende 21 Punkte) groß auf.

Bei den Serben, bei denen Bayern-Guard Stefan Jovic verletzungsbedingt ebenfalls nur 14 Minuten spielte, war Bogdan Bogdanovic mit 22 Zählern der Topscorer, Milan Macvan kam auf 18 Punkte. Auch sie konnten aber nicht verhindern, dass Slowenien erstmals in seiner Geschichte Europameister wurde.

Im Anschluss wurde Dragic zum MVP des Turniers gekürt. Ins All-Tournament-Team wurde er ebenfalls gewählt, gemeinsam mit Doncic, Bogdanovic, Alexey Shved und Pau Gasol.

Slowenien vs. Serbien: Der SPOX-Spielfilm

Vor dem Tip-Off: Wie gehabt eröffneten die Slowenen die Partie mit Dragic, Blazic, Doncic, Muric und Vidmar. Bei den Serben durften zunächst Jovic, Bogdanovic, Lucic, Macvan und Kuzmic ran.

Players to watch bei der EuroBasket 2017

1. Viertel: Von Abtasten war nichts zu sehen, beide Teams nahmen den Schwung aus den Halbfinals mit und spielten von Anfang an hochattraktiven Basketball. Die Serben hatten zunächst leichte Vorteile, weil sie die Paint kontrollierten, dann lief aber Prepelic von draußen heiß und Dragic setzte nach. Der Stand nach einem Durchgang: 22:20 für Serbien.

2. Viertel: Slowenien startete per 5:0-Run, dann brachte Djordjevic Bogdanovic zurück und der Anführer schlug prompt zurück. Im Fastbreak packte dann Doncic einen Monsterdunk aus und in der Folge wurde Slowenien immer besser. Prepelic traf einen irren Dreier zum 41:30, bevor sich die Serben etwas stabilisieren konnten. Gerade Lucic und Guduric zeigten nun ihren Wert. Dragic allerdings war überhaupt nicht zu stoppen - zur Pause stand er schon bei 26 Punkten, im Viertel waren es 20! 56:47 für Slowenien.

3. Viertel: Dragic dachte gar nicht erst daran, den Fuß vom Gas zu nehmen. Die Serben mussten viel investieren, um nicht den Anschluss zu verlieren. Knapp fünf Minuten vor Ende des Viertels landete Doncic dann unglücklich und musste raus. Während auch Dragic auf der Bank saß, verkürzte Bogdanovic auf 4 Punkte Rückstand, Slowenien verlor den Faden. Dragic kam zurück, nachdem er in der Auszeit eine flammende Ansprache hielt, und gab seinem Team wieder etwas Stabilität. 71:67 Slowenien vor dem letzten Viertel!

4. Viertel: Während Dragic auf der Bank saß, er war angeschlagen, hielt nun Blazic die Maschine am Laufen. Aber die Serben waren nicht kleinzukriegen. Macvan besorgte gut vier Minuten vor Schluss erstmals wieder eine Serbien-Führung, aber nun war es Prepelic, der sein Team zurückführte. 1:38 vor Schluss stellte Randolph auf 86:82, dann blockte Vidmar Bogdanovic und Prepelic bekam im Gegenzug drei Freiwürfe. Er traf zwei, Bogdanovic verfehlte und in der Folge schaukelten die Slowenen den Sieg an der Freiwurflinie nach Hause.

Slowenien vs. Serbien: Der Boxscore

Der Star des Spiels

Goran Dragic. Auch wenn ihm am Ende die Kraft ausging und sein Team in der Schlussphase ohne ihn auskommen musste, war der Star dieses Spiels eindeutig der Guard der Miami Heat. Gerade im zweiten Viertel spielte er absolut grandios auf, die Serben hatten nie ein Mittel, ihn wirklich zu kontrollieren. Sollte dies wirklich sein Abschied aus der Nationalmannschaft gewesen sein, war es ein würdiger.

Die lustigsten Fans der EuroBasket 2017

Der Flop des Spiels

Boban Marjanovic. Am Anfang wirkte es, als würde der Pistons-Center ein X-Faktor werden, im weiteren Spielverlauf konnte er seine Größenvorteile aber kaum gewinnbringend einsetzen - im Gegenteil. Boban traf nur einen seiner fünf Würfe (6 Punkte) und bekam von den kleinen Slowenen ein ums andere Mal Knoten in die Beine gespielt. So stand er auch lediglich 15 Minuten auf dem Court.

Slowenien vs. Serbien: Das fiel auf

  • Die völlig unterschiedlichen Spielstile der beiden Teams wurden schon in den ersten paar Minuten klar ersichtlich. Während Slowenien bei fast jeder Gelegenheit rannte und viel von draußen ballerte, spielten die Serben kontrollierter und attackierten ihre Mismatches auf den großen Positionen. Da die Slowenen zu Beginn schlecht von draußen trafen, verschaffte das dem Vize-Olympiasieger Vorteile: Gerade Kuzmic und Macvan waren unterm Korb nicht zu kontrollieren.
  • Der enorme Speed Sloweniens sorgte bei den Serben allerdings auch für große Probleme. Gerade Dragic konnte gegen den nicht komplett fitten Jovic gut penetrieren, wann immer sich eine Fastbreak-Chance bot, kamen die Slowenen ohne viel Mühe an Punkte. Doncic wiederum musste für seine Punkte sehr hart arbeiten: Insbesondere Bayern-Forward Lucic verteidigte das Wunderkind hochaufmerksam. Gerade im dritten Viertel agierte Doncic bisweilen aber auch ein wenig überdreht und erzwang einige schlechte Würfe.
  • Die Maschine wurde freilich von Dragic angetrieben, der einmal mehr zeigte, wie unfassbar explosiv er sein kann, gerade im zweiten Viertel. Teilweise war es allerdings auch unerklärlich, wie nonchalant die Serben in der Transition Defense zurückspazierten. Eigentlich ist es ja kein Geheimnis, wie gefährlich Slowenien im Fastbreak sein kann, aber zu häufig fiel den Serben nichts anderes ein, als nebenher zu laufen oder zu foulen.
  • In der zweiten Halbzeit kriegten die Serben dies besser in den Griff, zumal sie auch die Ballverluste reduzierten und Slowenien weniger Chancen zum Fastbreak gaben. So kamen sie langsam zurück ins Spiel, auch wenn die bittere Doncic-Verletzung dabei durchaus "half", da sie die Slowenen aus dem Konzept brachte. Dass diese dann ohne ihre beiden wichtigsten Spieler am Ende trotzdem gewinnen konnten, war schlichtweg beeindruckend.