"Hoeneß ist ein ehrlicher Basketball-Liebhaber"

Von Ole Frerks
Donnerstag, 24.11.2016 | 11:33 Uhr

Marko Pesic verwaltet als Geschäftsführer des FC Bayern Basketball eines der ambitioniertesten Projekte von Uli Hoeneß. SPOX traf den früheren Nationalspieler zu einem Gespräch über seinen (ab Freitag wieder) Vorgesetzten. Zudem erklärt Pesic, warum sich die Basketball-Abteilung in Hoeneß' Abwesenheit emanzipieren musste.

SPOX: Herr Pesic, was für eine Bedeutung hat der 25. November für Sie persönlich?

Marko Pesic: Das ist für mich in erster Linie der Tag, an dem Uli Hoeneß auf den Posten zurückkehrt, auf den er gehört. Und zwar auf den des Vereinspräsidenten, womit er gleichzeitig auch wieder mein Chef wäre. Insofern ist das natürlich ein sehr wichtiger Tag für und alle, auch für mich.

SPOX: Hoeneß gilt als der vielleicht größte Förderer des Bayern-Basketballs - können Sie seine Rolle ein wenig beschreiben?

Pesic: Es ist vielleicht gar nicht so richtig bekannt, aber Uli Hoeneß hat weit mehr als die Basketball-Abteilung des FC Bayern im Sinn. Er ist ein Förderer des deutschen Basketballs an sich, der versucht, immer und überall mit Unterstützung und Rat zu dienen, wo es nützlich sein kann. Er will mit seiner Erfahrung und seinem Wissen sowohl uns als auch dem Verband und der Liga dabei helfen, sich weiterzuentwickeln. Sicher profitieren wir davon etwas direkter als andere Teams, aber Herrn Hoeneß geht es um das Wohl des deutschen Basketballs und es ist wichtig, das einmal klarzustellen.

SPOX: Wissen Sie, wie dieses gesteigerte Interesse am Basketball bei ihm so plötzlich entstanden ist? Er hatte im Verein ja durchaus schon recht lange eine prägende Rolle inne, bevor er sich so mit dem Basketball-Projekt befasst hat.

Pesic: Ich kann nur die Zeit beurteilen, seitdem ich ihn wirklich kenne und mit ihm beziehungsweise für ihn arbeite. Er hat mir erzählt, dass er schon zu Schulzeiten großer Basketball-Fan war und beispielsweise früher zugeschaut hat, als Dirk Nowitzkis Mentor Holger Geschwindner noch aktiv war. Ich persönlich kann außerdem sagen, dass ich ihn als wirklich ehrlichen Basketball-Liebhaber erlebe. Basketball ist für ihn keine Zweckbeziehung oder so, er ist zu hundert Prozent emotional involviert, wenn wir spielen.

SPOX: War das von Anfang an der Fall?

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Pesic: Ich glaube, dass er den Sport und unser Projekt von Anfang an sehr ernst genommen hat. Es kann aber durchaus sein, dass der emotionale Part mit der Zeit noch weiter gewachsen ist. Er hat das alles ein wenig lieben gelernt, das ist mein Eindruck. Und er hat natürlich auch gemerkt, dass der Sport für die Marke Bayern durchaus wichtig ist: Es wird eine etwas andere Zielgruppe angesprochen als im Stadion, zudem ist Basketball in vielen Nationen, wo Bayern global noch wachsen will, extrem beliebt, in China oder den USA beispielsweise. Es geht ihm aber längst nicht nur darum. Uli Hoeneß schaut sich jedes unserer Spiele an, entweder zuhause oder im Audi Dome, und er ist davor und währenddessen unheimlich nervös! (lacht) Das zeigt mir ja, dass da jemand wirklich sehr an diesem Sport interessiert ist.

SPOX: Es wurde immer wieder von ambitionierten Projekten gesprochen - eine neue Halle, eine Kooperation mit der NBA, kürzlich sprach er von Basketball in der Allianz Arena... Was erhoffen Sie sich von seiner Rückkehr konkret?

Pesic: Die Internationalisierung der Marke Bayern wird ja bereits vorbildlich vorangetrieben. An diesem Prozess nehmen auch wir Basketballer aktiv teil. Wie bereits angesprochen ist Basketball in vielen Regionen unheimlich beliebt und das ist unserer Fußball-Abteilung bestens bekannt. Herr Hoeneß wird uns dabei helfen, wo er kann, wobei wir uns natürlich selbst bereits in Gesprächen mit der NBA befinden. Wir hoffen, dass wir bis Anfang nächsten Jahres wissen, wie unsere Rolle innerhalb der Marke Bayern konkret aussehen kann. Das muss natürlich alles gut geplant werden, denn wenn man es macht, muss man es auch richtig machen.

SPOX: Im September 2015 erzählten Sie im SPOX-Interview, dass 2016 ein Spiel gegen die Oklahoma City Thunder stattfinden sollte und dass es schon sehr konkrete Gespräche gab. Der Sommer ist vorbei - sind diese Pläne begraben oder nur verschoben worden?

Pesic: Diese Pläne gibt es noch. In diesem Sommer lag es leider am Schedule, dass es nicht möglich war. Unsere Saison hat ja leider zehn Tage eher begonnen als gewöhnlich und danach war es für uns nicht mehr möglich, im Spielplan die eine Woche freizuschaufeln, die wir dafür auf jeden Fall gebraucht hätten. Man kann ja nicht mal schnell nach Oklahoma City fliegen und zwei Tage später wieder im Eurocup antreten. Wir hoffen, dass es im nächsten Sommer dann tatsächlich Realität wird.

SPOX: Wäre OKC denn weiterhin der Wunschgegner? Neuerdings wäre ja auch noch ein Wiedersehen mit Paul Zipser eine Option...

Pesic: Nun, es gibt natürlich eine ganze Reihe an Teams, die für uns sehr reizvoll wären. Die Bulls gehören mit Paul ganz klar dazu, ebenso wie die Hawks mit Malcolm Delaney und Dennis Schröder oder auch die Mavericks. Dadurch würde man das Interesse in Deutschland sicherlich noch steigern, das ist ja klar. Es ist auf der anderen Seite aber eben auch kein Wunschkonzert. Wir führen die Gespräche, um herauszufinden, was möglich ist, welche Teams überhaupt Interesse hätten und so weiter. Wir können ja nicht einfach rüberfliegen und an die Tür vom United Center klopfen. (lacht) Rudolf Vidal, der die Dependance des FC Bayern in New York leitet, führt da derzeit die Gespräche mit der NBA.

SPOX: Und was ist mit einem Spiel in der Allianz Arena?

Pesic: Das ist natürlich ein ganz spannendes Projekt, das so bisher noch nirgendwo umgesetzt wurde - nicht in Barcelona, nicht in Madrid oder sonstwo. Auch hier sind wir allerdings noch in der Prüfphase. Ein Spiel unter freiem Himmel birgt für uns Basketballer ja ganz eigene Herausforderungen, und auch sonst gibt es organisatorisch einiges zu klären, bevor wir so ein Spiel wirklich ausrichten können. Das steht derzeit jetzt auch nicht ganz oben auf der Agenda, aber wir befinden uns auch hier in Gesprächen.

SPOX: Hoeneß legte 2013 seine Ämter nieder. Wie hat sich sein Fehlen im Verein seither bemerkbar gemacht? Gerade beim Basketball?

Pesic: Um ehrlich zu sein, spielt es bei Uli Hoeneß kaum eine Rolle, ob er gerade eine Position im Verein hat oder nicht. Seine pure Anwesenheit ist hilfreich, weil er stets mit vollem Herzen dabei ist und sich auch nie zu schade ist, einen Termin zu machen, wenn ihm irgendetwas auffällt, worüber er sprechen möchte. Bei uns hat sich in der Zwischenzeit sehr viel geändert. Nachdem wir 2014 Meister wurden, haben wir die Basketball-Abteilung vom eV ausgegliedert und in eine GmbH überführt. Somit ist das jetzt ein eigenes Unternehmen. Wir mussten außerdem lernen, wie wir auch ohne Uli Hoeneß funktionieren. Ich denke, dass sich die geschäftliche Seite in den letzten beiden Jahren sehr gut entwickelt hat, gerade strukturell, logistisch. Auch finanziell haben wir sehr große Fortschritte gemacht, wir sind in dieser Hinsicht kerngesund. Sportlich entsprach die Bilanz in dieser Zeit natürlich nicht unseren Ansprüchen, aber geschäftlich stehen wir so gut da wie noch nie - und das ermöglicht dann natürlich auch erst so einen Umbruch wie im Sommer. Wenn du morgens am Spieltag mit der Angst aufwachst, dass alles zusammenbricht, wenn du verlierst, kannst du ein Team nicht richtig führen. Es war daher für uns das Wichtigste, genau das zu verhindern, und das ist uns auch gelungen.

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SPOX: War es in der Hinsicht vielleicht sogar positiv, dass sich der FC Bayern Basketball in seiner Abwesenheit von "Ulis Baby" weckentwickeln musste und jetzt selbstständig umso besser dasteht?

Pesic: Nein, daran sehe ich nichts Positives. Ich glaube, dass wir jetzt vielleicht schon ein ganzes Stück weiter in unserer Entwicklung wären, wenn er nicht weg gewesen wäre. Die Schritte, die wir geschäftlich und strukturell nach vorne gemacht haben, hatten teilweise ja durchaus auch mit ihm zu tun - ich stand in der ganzen Zeit regelmäßig mit ihm in Kontakt. Er hat mehr Erfahrung darin, einen Sportverein groß zu machen, als jeder andere Mensch in Deutschland. Es wäre fahrlässig gewesen, das nicht zu nutzen.

SPOX: Wie haben Sie ihn persönlich erlebt, seitdem er wieder im Verein tätig ist? Hat er sich irgendwie verändert?

Pesic: Er hat meiner Ansicht nach noch das gleiche Feuer. Es war bei ihm schon immer so, dass es ihm sofort auffällt, wenn du dich nicht genau zu dem Maß mit dem Verein identifizierst, wie er selbst. Wenn du mitziehst, pusht dich seine Power ebenfalls nach vorne. Mein Eindruck ist aber, dass er etwas geduldiger geworden ist. Früher kam von ihm: "Warum ist das so?!" Heute ist es mehr: "Warum ist das so und wie können wir das gemeinsam ändern? Wie können wir uns verbessern?" Es kann natürlich auch einfach sein, dass er uns und unserer Entwicklung inzwischen noch etwas mehr Vertrauen schenkt. Das heißt aber nicht, dass sich an seinem Anspruchsdenken irgendetwas geändert hätte - im Gegenteil.

SPOX: Steigt der Erfolgsdruck durch seine Rückkehr noch weiter an?

Pesic: Das würde ich so nicht sagen. Der Druck ist da, aber das ist er sowieso immer. Seine Rückkehr verleiht uns dagegen vielleicht noch etwas mehr Kraft. Es ist nicht so, dass wir jetzt alle unter besonderem Druck stünden nach zwei nicht ganz so erfolgreichen Jahren. Dafür versteht Herr Hoeneß die Mechanismen im Sport einfach viel zu gut.

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