Brose Bamberg - FC Barcelona 85:65

Bamberg zerlegt Barca! Playoff-Jagd beginnt

Von Linus Braunschweig
Donnerstag, 05.01.2017 | 22:14 Uhr

Brose Bamberg ist in der EuroLeague weiter auf Erfolgskurs. Die Franken gewannen zum Auftakt der Rückrunde gegen den FC Barcelona souverän mit 85:65 (40:31). In gewohnter Freak-City-Stimmung holten sich die Franken den wichtigen Sieg und läuteten damit die Aufholjagd auf die ersten acht Plätze ein.

Angeführt von einem überragenden Trio bestehend aus Nicolo Melli (17 Punkte, 13 Rebound, 2 Steals), Darius Miller (20 Punkte, 6 von 8 Dreiern) und Janis Strelnieks (20 Punkte, 4 Assists) - konnte Bamberg früh die Führung übernehmen und die Anstürme der Katalanen abwenden. Damit klettert Bamberg an Barcelona vorbei auf den zehnten Platz und darf langsam von den Playoffs träumen.

Stark auf Seiten der Bamberger war ebenfalls Daniel Theis (11 Punkte, 3 Rebound). Er bekam es ständig mit Ante Tomic zu tun, hielt ihn gemeinsam mit Vladimir Veremeenko jedoch bei acht Punkten. Vor allem gegen Ende konnte der Center noch einmal aufdrehen.

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Vor dem Tip-Off: Elias Harris fällt weiterhin aus und wird erst in drei Wochen wieder erwartet, doch für Bamberg debütierte die Neuverpflichtung Jerel McNeal. In der Starting Five stehen Causeur, Zisis, Melli, Miller und Veremeenko. Für die Katalanen stehen Rice, Doellman, Claver, Navarro und Tomic auf dem Parkett.

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1. Viertel: Bamberg legte einen saubereren Start hin, auch wenn die bissige Verteidigung Barcelonas und Tomic unter dem Korb einige Schwierigkeiten bereiteten. Besonders Veremeenko hatte Probleme und fing sich schnell zwei Fouls ein. Tomic wurde oft im Post angespielt, aber Barca fiel eher durch die ungewohnt starke Wurfquote hinter der Dreierlinie auf. Beide Teams gingen dabei vor allem auf den Distanzwurf, wodurch die Sache recht ausgeglichen blieb. Miller konnte mit seinen neun Punkten dem Spiel früh seinen Stempel aufdrücken und Bamberg über Wasser halten. Als zum ersten Mal der Buzzer schallte, führten die Franken mit 18:17.

2. Viertel: Brose startete gut ins Viertel, aber die Katalanen blieben nach wie vor dran. Einige unnötige Fehler, darunter ein Schrittfehler und eine Offensive-Interference, verhinderten jedoch, dass sie die Führung übernahmen. Dann zwang Melli Barca-Trainer Bartzokas mit einem schönen Tip-In zum Time-Out. 25:19 für den Bundesliga-Zweiten. Über Tomic im Post versuchte der Coach seine Offensive wieder zu beleben, was allerdings erfolgreich von Brose unterbunden wurde. Die Gäste kamen auf vier Punkte ran, ein bärenstarker Miller ließ aber nichts anbrennen und hielt den Gegner auf Abstand. Besonders im Pick-and-Roll mit Veremeenko war der Amerikaner gefährlich. Insgesamt erzielte er in den ersten 20 Minuten 14 Punkte und war Hauptverantwortlicher für den Halbzeitstand von 40:31.

3. Viertel: Die Anfangsminuten waren für Barcelona mit zwei schnellen Ballverlusten katastrophal. Das nutzte Bamberg aus und erhöhte durch Melli prompt auf 44:33. Die Bamberger verteidigten die Distanzschützen hervorragend und zwangen Barca erneut zu Post-Ups. Auch Penetration wurde kaum zugelassen. Auf der anderen Seite knallten Trinchieris Jungs den Spaniern einen Korb nach dem anderen rein - 54:35. Die Pick-and-Rolls wurden extrem schlecht verteidigt, wodurch die Bamberger viel Luft hatten und die Dreier nur so regnen ließen. Immer öfter wurde ein Mismatch mit Melli erzeugt und gnadenlos ausgenutzt. Für Barcelona ging bis kurz vor Ende des Viertels wenig. Vezenkov war gemeinsam mit Rice der Hoffnungsschimmer und ein schneller Angriff verkürzte die Führung um zwei Zähler auf 59:47. Es roch ein wenig nach Comeback.

4. Viertel: Tatsächlich stand die Barcelona-Defense auf einmal felsenfest und ließ durch Verteidigung abseits des Balles keine offenen Würfe zu. Auch in der Offense lief es: Zisis wurde gezielt angegriffen und war eine echte Schwachstelle. Mit klugen Isolations-Spielzügen kam man zeitweise auf sechs Zähler heran. Miller war es zu verdanken, dass Barcelona das Spiel nicht drehte. Die Spanier verfielen in alte Gewohnheiten zurück und versuchten, Tomic unter dem Korb zu füttern. Das gelang nur bedingt. Durch gute Defense und Offensivrebounds machte Bamberg den Sack zu: Ein Strelnieks-Dreier war das Sahnehäubchen.

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Der Star des Spiels: Nicolo Melli. Der MVP der EuroLeague im Dezember konnte Miller und Strelnieks (beide mit 20 Zählern) mit 17 Zählern, 13 Rebounds und einem PIR von 30 ausstechen. Auch wenn er nur einen Assist hatte, spielte er viele wichtige Pässe. Im gelegentlichen Duell gegen Tomic hielt er sich wacker und verzeichnete sogar zwei Steals sowie einen Block. Von zehn Würfen verfehlte er nur zwei, auch wenn es beides Dreier waren.

Flop des Spiel: Ante Tomic. Von ihm hätte man mehr Zähler (8) und Rebounds (2) erwartet. Von 7 Würfen traf der Kroate nur drei, zudem verwarf er vier Freiwürfe. Man füge drei Ballverluste hinzu und man hat den Flop des Spiels. Nur die zehn Fouls, die er zog, kann man ihm gutschreiben.

Das fiel auf:

  • Der Offensiv-Fokus der Katalanen lag auf Ante Tomic und dem Distanzwurf. Teilweise versuchten sie das Post-Up zu erzwingen, dafür trafen die Gäste den Dreier überraschend effizient. Der Kroate wurde jedoch von Bamberg so gut wie aus dem Spiel genommen und kam nur auf acht Punkte.
  • Tomic sorgte früh für Foul-Trouble bei den Gastgebern, auch weil Bamberg oft switchen musste. Das führte zu riesigen Problemen - besonders mit dem Rücken zum Korb. Auch gegen Ende wurde er viel gefoult.
  • Bamberg nutzte die Breite des Kaders kaum aus: Heckmann und Lo hatten null Einsatzzeit, während Melli, McNeal, Radosevic und Miller alle mehr als 30 Minuten spielten.
  • Die Bank der Deutschen konnte die Katalanen mit 39 zu 27 Zählern ausstechen, was vor allem Strelnieks mit 20 und Theiss mit seinen 11 Punkten zu verdanken ist.
  • Auffällig war die überragende Defense der Gastgeber, die Barcelona bei 65 Punkten hielten und damit deutlich unter dem Punktedurchschnitt (72.1 PPG) der Gäste.

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